Obdachlose sollen ausreisen

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Schutz für entsandte Beschäftigte

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Porträt Anerkennung: Maria-Luise Weiß, Weinheim

01.05.2017

Ihr erster Fall

Im Herbst ließ Maria-Luise Weiß, DGB Ortsvereinsvorsitzende in Weinheim, sich als „Betriebliche Fachkraft Anerkennung” ausbilden. Ihr erster Fall ließ nicht lange auf sich warten: Wenige Wochen später machte ein Kollege die Kauffrau und Betriebsrätin beim Automobil-Zulieferer Freudenberg auf einen jungen Syrer aufmerksam. Der 24-Jährige lebte als Flüchtling im Odenwald. In seiner Heimat hatte er IT-Techniker gelernt, wie er in Deutschland in diesem Beruf arbeiten könnte, wusste er nicht.

Eigentlich war Weiß’ Ausbildung dazu gedacht, anerkennungswillige Kolleg_innen im eigenen Betrieb zu unterstützen. Aber hier sprang sie ehrenamtlich ein. „Er hatte schon viele Vorarbeit geleistet“, sagt Weiß: Seine Zeugnisse und Stundenpläne übersetzen lassen, vor allem. Über Monate traf Weiß sich mit dem Mann, der als Vormund eine minderjährige Nichte und Neffen mit nach Deutschland gebracht hatte. Er kam in das DGB Büro nach Weinheim, Weiß ging mit ihm minutiös alle Dokumente durch. Der 2015 nach Deutschland gekommene Syrer hatte in Damaskus an einer Universität gelernt, wie er sagte, einen Bachelor oder Master hatte er dort aber nicht bekommen – nur ein syrisches Diplom.

„Ich habe mich erkundigt, ob das ein anerkanntes Berufsbild ist,” sagt Weiß. Sie schrieb das Jobcenter an und bat um Übernahme der Kosten für die Anerkennung. Dann erkundigte Weiß sich bei der Kultusministerkonferenz-Stelle ANNABIN, wer die Anerkennung übernehmen könne. Mit Kolleg_innen, mit denen sie im Vorjahr die Fachkraft-Schulung durchlaufen hatte, hatte Weiß den Kontakt gehalten. Vor jedem Schritt stimmte sie sich nun mit ihnen ab. „Das war mein erster Fall. Man hat da natürlich Unsicherheiten und will, dass alles ordentlich läuft”, sagt Weiß. „Vorsichtig“ sei sie deshalb gewesen.

Doch es lief alles ordentlich. „Das Jobcenter hat die Kostenübernahme zugesagt. Jetzt sind wir soweit, dass wir in den nächsten Tagen den Antrag losschicken”, sagt Weiß Mitte April. Der syrische IT-Techniker spreche mittlerweile „fast perfekt Deutsch”, sagt Weiß. Er wolle sein Abitur nachholen, um berufsbegleitend studieren zu können. „Wir hoffen, dass er mit besseren Aussichten auf dem Arbeitsmarkt auch einen dauerhaften Aufenthalt bekommt.” Es gehe auch darum, dass der Flüchtling „gut für die beiden Kinder sorgen kann”.

Für Weiß ist die Arbeit als Anerkennungs-Fachkraft – ob ehrenamtlich oder im Betrieb – „eine Möglichkeit, sich als Gewerkschafterin aufzustellen und diesen Menschen eine Perspektive zu geben“, sagt sie.

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Mai 2017" entnommen.