Faire Kontrolle

Ein fairer europäischer Arbeitsmarkt braucht faire Kontrolle, fordert Dr. Norbert Cyrus
von der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder) 

Zum Kommentar von Norbert Cyrus  

Foto: © Kzenon / Fotolia.com

arm gegen arm

Was passiert, wenn arme Menschen gegeneinander ausgespielt werden, ist gerade an der Essener Tafel zu beobachten. Deutsche Sozialverbände und der DGB fordern stattdessen höhere Sozialleistungen für alle.

mehr  

Foto: L-c_aquar / Fotolia.com

Betriebsratswahlen - Gefahr von rechts?

Rechte Kandidat*innen bei der Betriebsratswahl - ist die Aufregung angebracht?

Interview mit Annelie Buntenbach, DGB Bundesvorstand 

Foto: © Robert_Kneschke / Fotolia.com

Eins vor, zwei zurück

Wie findet sich Migrationspolitik im Koalitionsvertrag wieder? 

Interview mit Daniel Weber, DGB Bildungswerk 

Foto: © vege / Fotolia.com

Globale Sklaverei beenden

25 Millionen Menschen sind weltweit Opfer von Menschenhandel. Neha Misra, Solidarity Center, Washington DC fordert, jetzt zu handeln.

Zum Kommentar von Neha Misra  

Foto: © elenabsl / Fotolia.com

Obdachlose sollen ausreisen

Zunehmend verweigern Notunterkünfte für Obdachlose EU-Bürger_innen  Hilfe. Hamburg setzt nun noch eins drauf gesetzt - hilfesuchende obdachlose EU-Bürger_innen sollen ausgewiesen werden.

Mehr zum Thema

Kommentar des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes  

Foto: © Kara - Fotolia.com

Porträt Anerkennung: Selim Ates, Mediziner aus der Türkei - Der lange Weg zur Approbation

01.04.2018

Als Selim Ates die Türkei verließ, war die Welt dort schon aus den Fugen geraten. Drei Monate lag der gescheiterte Putschversuch zurück, als Ates m Oktober 2016 nach Aachen kam.  

Der studierte Mediziner hatte an der Universität Istanbul als Doktorand für Biophysik gearbeitet. Nun hatte er einen Platz im Erasmus-Programm bekommen und konnte an der Uniklinik in Aachen forschen. Doch angesichts der politischen Lage in seinem Land war für ihn klar: Er würde versuchen, in Deutschland zu bleiben – vor allem, weil auch seine Frau eine Stelle als Gastwissenschaftlerin an der RWTH Aachen bekommen hatte. Nur wie sollte er einen Aufenthaltstitel für die Zeit nach dem Ende seines Erasmus-Stipendiums bekommen?

Ein Asylantrag erschien ihm zu unangebracht. Seine Doktormutter schlug Ates vor, in Deutschland sein Medizinstudium anerkennen zu lassen. Dies hatte er in der Türkei 2010 beendet, danach 3,5 Jahre als Notfallmediziner gearbeitet. Gute Voraussetzungen also. Ende 2016 wandte er sich an das Büro des IQ Netzwerks in Aachen. Die Beraterin half, trotzdem dauerte es einige Monate, bis alle Unterlagen beisammen, übersetzt und beglaubigt waren. Im Februar 2017 schickte Ates seinen Antrag an die Bezirksregierung Köln. Die stellte ihn vor die Wahl: Entweder absolvierte er eine so genannte Kenntnisprüfung – oder ein Gutachter würde seine gesamten Studiennachweise in Augenschein nehmen.

Ates entschied sich für letzteres. Fast 100 Scheine und andere Dokumente musste er einreichen. Im Mai schickte er sie ab, zahlte 500 Euro Gebühr – zum Glück hatte er noch Ersparnisse. Normalerweise, das wusste er, dauert ein solches Gutachten drei bis sechs Monate.

Doch die Antwort kam erst im Februar 2018 – dafür war sie positiv: Sein Studium sei „gleichwertig” mit einem deutschen Medizinstudium, befand der Gutachter. Kein neues Staatsexamen sei notwendig, nur eine Fachsprachprüfung. Darauf hatte Ates sich während der Wartezeit bei einer Akademie in Köln vorbereitet. Die Gebühren zahlte das Jobcenter über einen Bildungsgutschein. Als Gaststudierender konnte Ates diesen nur bekommen, weil er über seine Frau einen befristeten Aufenthaltstitel hatte. Er bestand den Sprachtest im Febraur 2018. Dann musste er nicht mehr lang warten: Mitte März kam die Approbation von der Bezirksregierung Köln. Schon kurz davor hatte er Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medizinische Informatik in Münster gefunden. So kann er bald seine eigene Blue Card bekommen.

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration April 2018" entnommen.