Man kann auch gewinnen: Kämpfe gegen Ausbeutung

01.05.2017

Migrant_innen sind besonders anfällig für Ausbeutung und Lohnbetrug.

Aber sie haben Möglichkeiten, sich zu wehren. Wie die Opfer des Bengalen Scheich Mohammed Alim: Der Besitzer der Zishan Confection S.R.L. in Neapel soll 400 Landsleute nach Italien geschleust und unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten haben lassen. Doch nachdem sich eine Gruppe von A rbeitern wehrte und Anzeige erstattete, wurde die Justiz tätig. Jetzt sitzt Alim im Gefängnis.

Nach einem Bericht der taz zeigten bengalische Näher, die Alim ins Land geholt hatte, den mafiösen Textilfabrikanten an. Auch massive Drohungen konnten ihre Proteste nicht stoppen. Schließlich verhaftete ihn die regionale Antimafiaeinheit DDA. Anfang Februar 2017 fand das so genannte Beweissicherungsverfahren statt. Die Geltung der EU-Menschenhandelsrichtlinie 2011/36/EU wurde von einer Reihe von EU-Staaten auf ausgebeutete Arbeiter ausgeweitet. Auf dieser Grundlage leitet ein Anti- Mafia-Staatsanwalt aus Mailand die Untersuchung.

„Das zeigt, dass die Justiz vermeiden will, dass Beweise und Zeugen verschwinden, denn die Korruption reicht bis in die obersten Ebenen der Justiz“, sagt der Aktivist Gianluco Petruzzo von der Gruppe Associazione 3 Febbraio (A3F), die eng mit dem italienischen Gewerkschaftsbund CGIL zusammenarbeitet. Petruzzo glaubt, dass während des Prozesses noch mehr über die rund 70 Textilfabriken im Norden Neapels und ihre Verstrickungen mit der Camorra ans Licht kommen könnte. Die Anklage gegen Alim lautet auf Menschenhandel und Ausbeutung von Arbeitskraft in Verbindung mit Sklaverei sowie Bildung einer mafiösen Vereinigung. Darauf stehen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Die bengalischen Näher arbeiten heute in einer anderen Fabrik – der Chef dort zahlt pünktlich den Lohn, die Arbeitszeit ist auf 8 Stunden begrenzt, so die A3F.

Auch in Deutschland gibt es Kämpfe ausgebeuteter Arbeiter. In Hessen protestierten im März rumänische Bauarbeiter am Frankfurter Flughafen für ihren Lohn. Sie sind Teil einer Gruppe von wohl Dutzenden Arbeitern, die eine Neu-Isenburger Baufirma um ihren Lohn betrogen hatte. Die Firma hat nun Hausverbote bei der Lufthansa, der Generalunternehmer wird die ausstehenden Löhne nachzahlen. Die IG BAU und die DGB Beratungsstelle Faire Mobilität hatten die Rumänen unterstützt.

Derweil kritisierte die Caritas im Kreis Gütersloh die Bedingungen für die südosteuropäischen Werkvertragsarbeiter_ innen beim Fleischkonzern Tönnies. „Hier geschieht eklatantes, moralisches Unrecht”, sagte Thomas Witt, Vorsitzender des Caritasverbandes im Erzbistum Paderborn. Die Caritas hatte im letzten Jahr hunderte der Arbeiter_innen befragt. „In dieser Dramatik hätten wir die Situation nicht erwartet“, sagte Witt. „Die Menschenwürde ist unteilbar. Auch Beschäftigte aus Rumänien, Polen oder Bulgarien müssen in deutschen Betrieben gut behandelt werden,“ so die Caritas.

Neapel: http://bit.ly/2o2MJLX
FFM: http://bit.ly/2orHrF2  &  http://bit.ly/2o3hhgz
Tönnies: http://bit.ly/2orNh9C   

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Mai 2017" entnommen.