Anerkennung: Der Bedarf steigt

01.04.2017

Auf Bussen in neun Städten wirbt das Land Brandenburg dafür, ausländische Abschlüsse anerkennen zu lassen. „Hier finden Sie die passende Qualifizierung, damit Sie in Ihrem erlernten Beruf arbeiten können“, steht auf den Fahrzeugen. 

Ziel sei, Flüchtlinge und andere Migranten zu beruflichen Weiterbildungen zu motivieren, so das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie. Der Bedarf für entsprechende Zusatzqualifikationen steige, sagte Staatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt. Besonders für Geflüchtete sei neben dem Erlernen der deutschen Sprache der Zugang zum Arbeitsmarkt eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Integration.

„Wir haben viel Zulauf, aber mehr Aufmerksamkeit kann in der Sache nicht schaden”, sagt Lena Haselhorst vom IQ Netzwerk Brandenburg, das die Aktion initiiert hat. Sie glaubt, das in der nächsten Zeit viele Flüchtlinge das Asylverfahren durchlaufen haben werden. Für sie werde die Anerkennung der eigenen Qualifikation wichtiger. Früher hätten in Brandenburg wegen der geografischen Nähe vor allem Pol_innen Rat gesucht, die schon länger in Deutschland lebten und dann in ihrem erlernten Beruf arbeiten wollen. Heute sei das anders, sagt Haselhorst: Die Syrer_innen seien eine ebenso große Gruppe. Sie rechnet damit, dass in den nächsten Monaten eine große Zahl von Flüchtlingen das Asylverfahren durchlaufen haben wird. Für sie werde die Frage der Qualifikations-Anerkennung dann aktuell.

Im Dezember hatte die Landesregierung von Brandenburg angekündigt, die beruflichen Fähigkeiten von Geflüchteten schneller anerkennen zu wollen. „Andere Länder kennen das System der dualen Berufsausbildung nicht. Gleichwohl haben die Leute in einer Auto-Reparaturwerkstatt, in einer Näherei oder als Köche gearbeitet und haben diese Kompetenzen“, sagte Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD). Gemeinsam mit den Kammern müsse man Wege für die Anerkennung finden, damit die Flüchtlinge entsprechend ihrer Fähigkeiten eingestellt und bezahlt werden könnten. 

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration April 2017" entnommen.