Porträt Anerkennung: Janna Gutenberg, Beraterin IQ NRW - Wer schließt die Kenntnis-Lücken?

01.01.2018

Nach ihrem Studium in Köln hatte Janna Gutenberg an einem Berufskolleg in Niedersachsen gearbeitet. Doch dann zog es sie zurück in die Großstadt. In Köln wurde eine Beraterin gesucht, die Ausländer_innen hilft, ihre Ausbildung anerkennen zu lassen. „Das hat einfach gepasst“, sagt Gutenberg. Einen Monat wurde sie zu Beginn geschult, seit Juni 2017 arbeitet sie in der Anerkennungsberatung von IQ Consult, einer Tochter des DGB Bildungswerk. Sie kam zur richtigen Zeit: „Der Bedarf ist riesig“, sagt Gutenberg.

Denn je mehr Entscheidungen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) abarbeitete (siehe Asyl: 3.000 Euro Ausreiseprämie), desto mehr Geflüchtete kommen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Wartezeiten steigen dadurch – ein Ratsuchender musste neun Monate warten, bis sein Zeugnis bewertet war, berichtet Gutenberg. Eine zermürbende Erfahrung. Teils wenden sie sich bereits an Gutenberg, während ihr Asylantrag noch läuft. So wie ein Arzt aus Kirgistan, auch Kirgisien genannt. „Ist beides richtig“, hat Gutenberg inzwischen gelernt. Als er zu ihr kam, hatte er eine so genannte Aufenthaltsgestattung. Der ausgebildete Mediziner arbeitete als Altenpflegeassistent – eine erheblich schlechter bezahlte Tätigkeit, für die er deutlich überqualifiziert war. Doch wie er es anstellen könnte, eine deutsche Approbation zu bekommen – davon hatte er keine Vorstellung. In seinem, wie in vielen anderen Fällen, müssen Kurse finanziert werden: für die Kenntnisprüfung, für die Fachsprachenprüfung und anderes. „Das geht in die tausende Euro”, sagt Gutenberg. „Mit seinem Einkommen als Altenpflegeassistent konnte er dies nicht bezahlen.”

Nach der hohen Zahl der Ankünfte von Flüchtlingen in 2015 und 2016 hatten die Beratungsstellen zunächst vor allem Anerkennungsberatung geleistet. Heute hingegen nähmen die so genannten Qualifizierungsberatungen zu: „Da ist die Qualifizierung dann teilweise anerkannt und es geht darum, wie Lücken geschlossen werden können.” Das Problem sei nur: Wie und wo? „Es fehlt einiges an Kapazitäten für die Nachqualifizierung”, sagt sie.

Doch es gebe auch positive Entwicklungen. So seien in einigen Anerkennungsstellen arabischsprachige Mitarbeiter_ innen eingestellt worden. Der Vorteil liege auf der Hand: Syrer_innen – die größte Gruppe unter den Antragsteller_innen – müssen so keine teure Übersetzungen ihrer Zeugnisse mehr anfertigen lassen. „Da reichen jetzt einfach beglaubigte Kopien.“ Zu begrüßen sei, dass es überhaupt eine gesetzliche Grundlage zur beruflichen Anerkennung gebe. „Vorher mussten beispielsweise Ärzte, die nach Deutschland kamen, komplett neu studieren.“ Und für die Kosten für die Anerkennung des Arztes aus Kirgistan stellte Gutenberg einen Antrag auf Anerkennungszuschuss.

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Januar 2018" entnommen.